Fundstück der Woche: Die Moral Machine

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Fundstück der Woche: Die Moral Machine

Es gibt derzeit kaum einen Automobil- oder Tech-Konzern, der das autonome Fahren nicht als das Zukunftsthema im Bereich Mobilität sieht. Daimler, BMW, Audi aber auch Tesla und Google arbeiten an eigenen Konzepten, die den Fahrer schon bald überflüssig machen könnten. Auf den großen Automessen werden Werbefilme gezeigt, in denen junge dynamische Menschen in silberglänzenden Karossen sitzen und Mails beantworten oder sich während der Fahrt mit ihren ebenfalls sehr attraktiven Familienmitgliedern unterhalten. Es könnte alles so schön sein! Also in einigen Jahren. Wenn es wirklich autonome Fahrzeuge gibt, in denen kein Fahrer, sondern nur noch Passagiere sitzen. Einige Jahre wird das vermutlich noch dauern, hängen wir auf einer sechsstufigen Entwicklungsskala derzeit irgendwo zwischen Stufe 2 (teilautomatisiert) und 3 (hochautomatisiert) fest. Bleibt also noch Zeit, sich über ethische Aspekte des autonomen Fahrens Gedanken zu machen.

Neben dem Komfort und der neuen Freiheit für den Autofahrer ist es vor allem der Sicherheitsaspekt, den Autohersteller und Befürworter des autonomen Fahrens ins Feld führen. Der ADAC schätzt, dass 90 Prozent aller Unfälle auf deutschen Straßen durch menschliches Versagen verursacht werden. Das erscheint logisch, denn wir alle wissen, dass der Mensch manchmal Fehler macht. Wir sind unkonzentriert, wir fahren zu schnell, übersehen das Stoppschild oder beim Abbiegen den Radfahrer. Autonome Systeme hingegen machen (zumindest in der Theorie) keine Fehler. Unzählige Sensoren (z.B. Kameras, Ultraschall oder Laser) erfassen die Umwelt des Fahrzeugs und reagieren in Millisekunden. Zum Beispiel, wenn der Vordermann plötzlich bremst oder ein Tier auf die Straße läuft. Soweit so gut. Aber wie entscheidet ein autonomes System in Situationen, in denen es um Leben oder Tod geht? Können wir solche Entscheidungen wirklich in die Hände einer Maschine legen?

Wissenschaftler vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben mit der Moral Machine eine Plattform geschaffen, die verschiedene moralische Dilemmata, vor denen ein selbstfahrendes Auto in Zukunft stehen könnte, durchspielt und analysiert. Die Ausgangssituation ist immer dieselbe: Ein selbstfahrendes Auto mit plötzlichem Bremsversagen sieht sich vor der Entscheidung entweder gegen eine Betonbarriere zu krachen oder ungebremst einen Zebrastreifen zu passieren. Im ersten Fall sterben alle Insassen des Fahrzeugs, im zweiten Fall die Fußgänger, die den Zebrastreifen überqueren. Dreizehn verschiedene Szenarien mit unterschiedlichen Charakteren (Ältere Menschen, Kinder, Führungskräfte, Kriminelle, Hunde und Katzen) werden von der Moral Machine vorgegeben. Zusätzlich können Nutzer noch weitere Szenarien erstellen. Am Ende der Simulation wertet die Moral Machine die Ergebnisse aus und vergleicht diese mit den Entscheidungen der anderen User. Ganz neu ist die Dilemma-Theorie nicht. Neben dem Schiffbrüchigen-Dilemma aus der griechischen Philosophie gibt es weitere moralische Gedankenexperimente wie z.B. das Weichensteller-Problem aus den 30er Jahren. Besondere Aktualität erlangt die Dilemma-Problematik vor dem Hintergrund der Entwicklung autonomer Fahrzeuge verbunden mit der Frage: Sollen Maschinen in Zukunft Entscheidungen treffen, die so weitreichende Folgen haben wie eben geschildert? Oder soll der Mensch trotz aller technischen Raffinessen, die in seinem automatisierten Fahrzeug verbaut sind, in seiner Eigenschaft als vernunftbegabtes Wesen in letzter Instanz die Entscheidungen treffen (auch wenn sie vielleicht falsch sind)? Unsere Empfehlung aus der MESCHMASCH-Redaktion: Heute Abend die Moral Machine durchspielen und danach mit dem Partner oder Freunden die Ergebnisse diskutieren.

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One Comment so far:

  1. Hi there, I log on to your blog on a regular basis. Your humoristic
    style is awesome, keep it up!

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