„Ich hoffe, dass es nicht dazu kommt, dass uns die Rechner bald überlegen sind“ – Presseschau 18/38

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Was die Rechner heute machen, hat fast nichts mit dem menschlichen Denken zu tun. — Kognitionswissenschaftler Douglas Hofstadter

„Ich hoffe, dass es nicht dazu kommt, dass uns die Rechner bald überlegen sind“ – Presseschau 18/38

Autonomes Fahren könnte der Logisitk-Branche massive Einsparungen ermöglichen, in New York hat ein Forscherteam eine Standard-Google-KI für die Krebs-Diagnose geschult – mit einem unerwarteten Nebeneffekt, KI-Berichterstatter Andreas Steier im Interview über KI, Start-ups und Politik. Dazu noch ein Interview mit Kognitionswissenschaftler Douglas Hofstadter, dem bei dem rasanten Fortschritt mulmig zumute ist, und ein Blick auf den KI-Standort Deutschland.

Künstliche Intelligenz und Robotik werden die Arbeitswelt umkrempeln. Allerdings regional sehr unterschiedlich: Während im Saarland jede fünfte Stelle von Automatisierung betroffen sei, müssten nur 15 Prozent der Berliner Arbeitnehmer um ihren Job fürchten, prognostizieren jetzt OECD-Forscher, wie auf welt.de zu lesen ist.

In der Logistik bis zu 47 Prozent Einsparungen

Gerade vor zwei Wochen berichteten wir über eine KI-Studie in Berlin und Brandenburg, letzten Mittwoch folgte eine Studie des Weltwirtschaftsforums über die Arbeitswelt der Zukunft. Und in dieser Woche folgt nun eine Untersuchung zum autonomen Fahren auf der Agenda: Strategy& von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hat jetzt eine Studie vorgelegt, die besagt, welche Profite selbständig fahrende LKWs der Logistikbranche bescheren könnten. Bis zu 47 Prozent Einsparungen seien drin. „Schon in wenigen Jahren werden die Nutzfahrzeug- und die Logistikbranche zu einem Ökosystem verschmelzen, das digital und effizient gesteuert wird“, kündigt Strategy&-Partner Gerhard Nowak auf wiwo.de an.

Ein wichtiges Thema für Deutschlands Wirtschaft: Beim autonomen Fahren zeigt sich die deutsche Innovationskraft: 52 Prozent der weltweit angemeldeten Patente stammen von deutschen Herstellern, meldete heise.de bereits vor drei Wochen. Die Entwicklungen müssen nur auf die Straße gebracht werden. Damit das ohne größere Risiken klappt, hat Daimler jetzt südlich von Stuttgart für 200 Millionen Euro ein Prüf- und Technologiezentrum mit Teststrecken für Erprobungsfahrten eingerichtet, schreibt Spiegel Online.

Gelungenes Beispiel für Wissenstransfer von der Universität in die Wirtschaft

Apropos Mobilität: Der Schienenverkehr spielt nach wie vor eine große Rolle in Deutschland, allein der Güterverkehr macht knapp unter 20 Prozent aus. Damit das für die Deutsche Bahn reibungsloser und effizienter funktioniert, hat die Firma Conimon eine KI entwickelt, um mittels Vibrationssensoren und anhand mathematischer Modelle Schäden an Bahn-Bauteilen zu erkennen – und rechtzeitig Reparaturen vorzuschlagen, wie Heiko Weckbrodt auf Oiger berichtet. Ob die Ausgründung der TU Dresden die Bahn pünktlicher machen kann?

Das ist es eigentlich, was die Politik auch fördern möchte. Über „KI made in Germany“ und Start-ups hat der CDU-Abgeordnete Andreas Steier mit Jana Biesterfeldt auf Companisto gesprochen. Er ist KI-Berichterstatter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Mitglied der Enquete-Kommission für Künstliche Intelligenz. Steier fordert: „Die Politik muss einen Rahmen schaffen, in dem KI frei atmen kann.“

„Was die Rechner heute machen, hat fast nichts mit dem menschlichen Denken zu tun“

Nach diesen – für die Wirtschaft – doch eher positiven Meldungen wollen wir aber auch drei skeptischere Berichte auflisten. In der Finanzbranche beispielsweise schmückten sich Geldverwalter gern mit dem Kürzel KI, aber: „Es ist ein Hype, manchmal auch nur ein Marketinggag“, meint Murat Ünal, Chef von Sonean, einer Firma für Netzwerkanalyse, auf handelsblatt.com.

Trotzdem sind die Fortschritte bei Künstlichen Neuronalen Netzwerken oder Maschinellem Lernen freilich nicht zu bestreiten. Dem Kognitionswissenschaftler Douglas Hofstadter wird dabei auf fr.de etwas mulmig zumute: „Ich hoffe, dass es nicht dazu kommt, dass uns die Rechner bald überlegen sind. Die Idee finde ich sehr erschreckend, und ich freue mich deshalb immer, wenn Computer scheitern.“ Für ihn steht aber fest: „Was die Rechner heute machen, hat fast nichts mit dem menschlichen Denken zu tun.“ Ähnlich „viel Lärm um nichts“ sieht Hans Widmer auf nzz.ch: Er befasst sich mit der Frage eines maschinellen Bewusstseins und glaubt, KI werde ein solches mangels Neugierde nie erlangen.

„Der Algorithmus lernte diesen Trick von selbst.“

Und am Ende noch einen Ausflug in die Medizin. New Yorker Wissenschaftler haben einen Google-Algorithmus, der eigentlich Gesichter, Tiere und Objekte erkennen soll, dazu  verwendet, die beiden häufigsten Lungenkrebsarten voneinander zu unterscheiden (sie werden unterschiedlich behandelt). Mit einer Genauigkeit bis zu 97 Prozent! Doch das war nicht genug, dank Deep-Learning-Umschulung lernte das Künstliche Neuronale Netzwerk etwas, was zuvor kein Pathologe vermochte: Der Algorithmus kann die genetischen Mutationen des Tumors auf einem einzigen Bild identifizieren, schreibt Megan Molteni auf Wired, und: „Der Algorithmus lernte diesen Trick von selbst.“

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